Wir hatten ohne Zweifel unzählige Highlights auf unserer bisherigen Reise. Allerdings gibt es zwischen den Highlights auch die etwas unangenehmen Reisen. Insbesondere Busreisen sind meist nicht nur spassig. Eine Episode dieser Art gab es in den letzten Tagen. Wir wollten schon am 2.1. Von Pokhara nach Lumbini und einen Tag später nach Varanasi, Indien. Um 6:00 Uhr früh sollten wir ein Taxi zur Busstation nehmen. Wie immer stellten wir den Wecker auf unserem IPod Touch. Nur dieses Mal ging er nicht ab. Als jemand vom Hotel an unserer Tür anklopfte war es dann schon 7:00 und der Bus längst unterwegs. Die Ursache, wieso unser Wecker nicht ab ging, ist laut Internet ein Softwarefehler von Apple, der auch vielen anderen Leuten zum Problem wurde. Soweit kein grosser Schaden. CHF 10 für das Busticket , aber Pokhara ist eine schöne Stadt und es ist kein Problem, einen zusätzlichen Tag dort zu verbringen. Als wir dann aber ein Busticket für den nächsten Tag kaufen wollten, hiess es, es fahren morgen keine Busse und auch die von heute sind nur schwer ans Ziel gekommen – Streik! In Nepal ist Streik nichts sehr aussergewöhnliches. An unglaublichen 125 Tagen wurde im Jahr 2010 gestreikt mit der Folge, dass die Strassen gesperrt wurden und kein Verkehr möglich war. Also hiess es noch einen Tag in Pokhara verweilen und 4.1. konnten wir endlich nach Lumbini reisen. Um halb sieben in der Morgendämmerung fuhren die Busse in die Busstation und wir scherzten noch, welcher Bus der schlechteste ist, und wir sicher diesen bekommen werden. Ihr ahnt es schon, genau einer dieser ganz üblen war es dann auch. Die Sitze etwas durchgesessen, sehr wenig Beinfreiheit, Fenster die nicht geschlossen oder geöffnet werden können und diesmal als Zugabe ein Quietschen das nicht nur sehr laut sondern während den ganzen 7 Stunden immer einen äusserst unangenehmen Krach machte. In Bhairawa (25km von Lumbini entfernt) mussten wir noch umsteigen um nach Lumbini zu kommen. Bei der Haltestelle wartete natürlich bereits ein „hilfsbereiter“ Herr der uns erklärte, dass die Fahrt mit seinem Minibus nur 30 Min dauern würde und 150 Rupien (2.-) pro Person koste und der öffentliche Bus 2 Stunden brauche und auch 70 Rupien pro Person koste. Wir entschieden uns trotzdem für den öffentlichen Bus und waren dann oh Wunder doch schon nach 45 min und für nur 35 Rupien (40 Rp) pro Person in Lumbini. (Solche „netten“ Menschen trifft man hier in Indien überall. Sie geben einem immer ungefragt Auskunft und versichern, dass sie natürlich die günstigste und beste Option sind.)
Lumbin ist übrigens der Geburtsort des Buddha und daher für die Buddhisten eine sehr wichtige Pilgerstätte (also etwas wie der Geburtsort von Jesus für Christen). Der Ort lebt dann auch mehr von der Geschichte als von sehr schönen Tempeln oder anderen Highlights. Am nächsten Morgen gings deshalb für uns auch wieder zurück nach Bhairawa und von dort noch 2 km zur indischen Grenze. Natürlich kamen immer wieder Rikschafahrer (Velotaxis) vorbei die uns mitnehmen wollten uns versicherten, dass der Marsch zu Fuss viel zu lang sei. Rikschafahrer: „Very long way sir, 4 km“. Wir: „Jaja, we know.“ 500m später kam schon der nächste angefahren: „Very far sir, 5 km.“. Ein Fussmarsch war aber genau das richtige und schon bald waren wir an der Grenze. Weil Inder und Nepali die Grenze ohne Pass und Kontrolle überqueren können muss man als Tourist das Zollhaus schon fast suchen. In einem ganz normalen Raum sitzen dann einige Männer und lesen Zeitung. Keiner möchte natürlich zu viel arbeiten und jeder drückt sich etwas vor der Aufgabe (fast wie in einer Militärkantine wenn einer mit einem Auftrag kommt). Einer gibt uns dann doch noch ein Papier, das wir ausfüllen müssen und wir bekommen den nötigen Stempel zur Einreise. Sobald man den Zollraum verlässt sind auch schon die Kollegen der Transportgang wieder da. „To Gorakhpur? I have car, very cheap, only 2 hours, with bus 5 hours!“ Wir denken, naja der Bus hat schon länger als ein Taxi und wir wollen ja den Zug nicht verpassen, nehmen wir doch mal ein Taxi und sehen weiter. Dummerweise sind wir die ersten, die in den Jeep (ein 7 Plätzer) einsteigen. Es dauert auch einige Minuten bis die nächsten mitfahren wollen. Als wir sieben Passagiere plus Fahrer sind denken wir, so jetzt geht’s los. Es müssen aber noch weitere 4 Personen gefunden werden, und wir fahren mit 11 Leuten im Auto los. Klar, dass wir uns kaum mehr bewegen konnten. 3 Stunden später kommen wir also in Gorakhpur an und gehen zum Bahnhof um ein Zugbillet zu kaufen. Auf dem Weg ignorieren wir inzwischen die Taxifahrer und Ratgeber. Obwohl alle Schalterangestellten etwas englisch können braucht es trotzdem 7 Anläufe bis wir am richtigen Ort sind und ein Ticket kaufen können. Leider gibt es keine Billete mehr in den guten Klassen mit reserviertem Platz und wir kaufen Tickets für die allgemeine Klasse, denn Gorakhpur ist nicht gerade ein Ort, an dem man länger verweilen will. Unser Expresszug nach Varanasi soll Zug um 16:00 abfahren und 5 1/2 Stunden später în Varanasi ankommen. (Es hätte zwar auch einen Zug um 14:00 gegeben, dieser habe aber 11 Stunden für denselben Weg und ist deshalb später am Ziel und zudem war dieser Zug bereits eine Stunde verspätet.) Wir essen also etwas und warten auf unseren Zug. Um 16:30 fahren wir ab. Im Abteil gibt es jeweils 8 nummerierte Sitze aber da man keine Plätze reservieren kann setzt man sich einfach wo es Platz hat. In der Regel sitzen 6 bis 7 Personen auf der für 4 vorgesehenen Bank und einige müssen auch stehen. Wir (die Weissen/Westler) sind die Attraktion in unserem Abteil. Touristen reisen ja normalerweise in reservierten Abteilen und in teureren Zügen. Zu Beginn starren uns einfach alle an (das ist nichts Aussergewöhnliches in Indien) bis sich einer traut und uns fragt woher wir sind. Damit ist das Eis gebrochen und schon bald wollen Sie wissen ob wir verheiratet sind, Kinder haben, was wir arbeiten und wie viel wir verdienen. Zudem Fragen zur Schweiz und was wir so von Indien wissen. Wir unterhalten uns also ganz angenehm aber merken auch, dass der Zug einfach nicht recht vom Fleck kommt. Immer wieder warten wir mitten im Nichts, um einen Zug zu kreuzen. Die Einheimischen nutzen die Gelegenheit um sich etwas die Füsse zu vertreten, Tee zu kaufen oder (auch sehr beliebt) irgendwo hin zu pinkeln. Um 23:00, mit 2 Stunden Verspätung, kommen wir endlich (!) in Varanasi an und sehen dort wie die Leute am Bahnhof campieren und auf einen Zug warten, der 15 Stunden Verspätung hat! Da haben wir ja im Vergleich noch Glück gehabt. Mit einem Moto Taxi fahren wir zum Hotel und fallen erschöpft ins Bett.
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